Das, was man sich dort leistet, trägt zur Verbesserung des guten Lebens bei. Das Gute kann immer noch besser werden. Man soll immer nach dem Höheren streben. Man darf nicht stehenbleiben. Bloß nicht stehenbleiben.
Im Gehen träumen Frauen von Verwöhnprogrammen, von denen ihnen ihre Zeitschriften etwas vorschwärmen. Dafür müssen sie sich erst noch den liebevollen Partner irgendwo beschaffen, der in den Abbildungen und den zugehörigen Texten bereitwillig darauf wartet, seine Liebste einmal verwöhnen zu dürfen. "Machen Sie sich ein schönes, kuscheliges Wohlfühlwochenende mit Ihrem liebevollen Partner." Auf das Wochenende müssen die Frauen schon noch warten.
Keiner der Männer, die hier heute unterwegs sind, träumt davon, die Wohlfühlphantasien seiner Partnerin zu verwirklichen, zumindest denkt jetzt gerade keiner daran. Die Männer tragen andere Zeitschriften mit sich herum, die andere Wünsche gebären.
Kinder sind auf dem Nachhauseweg von der Schule. Was haben sie wohl heute wieder gelernt, fürs Leben?
Sehen sie uns zu, die Gespenster? Wie wir wild umher rennen wie aufgeregte Hühner, uns gegenseitig unsere Einkaufs- und Aktentaschen in die Magengruben rammen, wie wir Reisetickets und Konzertkarten kaufen, wie wir uns mit Freunden und Freundinnen, Kollegen und Kolleginnen zu allem möglichen verabreden, meist mit dem Schlußsatz "Wir telefonieren.", wie wir uns Zeitschriften und Taschenbücher kaufen oder sie im viel zu engen Laden einfach nur durchblättern, um uns nur einmal schnell mit Nahrung fürs Hirn zu versorgen, oder mit dem was wir dafür halten? Hier können wir uns eine Meinung bilden, auch wenn es niemals unsere eigene allein sein wird. Die Meinung liegt bereit, sie wird verteilt und verstreut. Sie schlägt Wurzeln in Gedanken, ihre Knospen sind Urteile. Sie hallt wieder aus vielen Mündern.
Wir können viel lernen aus den Zeitschriften und auch aus den Taschenbüchern, die hier verkauft werden, - die uns ganz selbstlos, für einen nur geringen Preis, beibringen wollen, wie man glücklich wird, lebt statt sich zu sorgen, sein Leben einfacher gestaltet, sich einen Mann angelt. Es gibt hier keine Bücher für Männer, in denen steht, wie man sich eine Frau angelt - gibt es solche Bücher überhaupt?
Männern scheint es häufig zu genügen, sich das Abbild einer Frau einfach nur anzusehen, sich am Anblick zu erfreuen, wofür es wiederum zahlreiche Zeitschriften gibt. Auch für Männer, die sich lieber am Abbild eines Mannes erfreuen gibt es hier Zeitschriften, doch die sind eher unauffällig plaziert, so daß dem Genuß am Abbild des Mannes immer noch etwas Abseitiges anhaften bleibt. Kleine Kinder könnten gefährdet werden, weshalb die Zeitschriften mit den nackten Männern darin nicht im Auslagenbereich unter den Wandregalen mit weiteren Zeitschriften liegen. Im Auslagenbereich liegen nur die Zeitschriften mit den nackten Frauen darin. Der nackte Frauenkörper ist also, wenn überhaupt, eine sehr viel geringere moralische Gefährdung für die unschuldigen Kinder als der unverhüllte Körper des Mannes, dessen Anblick mit Schuld behaftet ist, weshalb jene Männer, die dennoch nicht auf den Anblick verzichten wollen, es pflichtbewußt verschämt tun und dabei am liebsten unsichtbar wären. Die Männer, denen der nackte Frauenkörper mehr Freude bereitet, schämen sich weniger dafür. Die Nacktheit der Frau ist ein Konsumartikel, die Nacktheit des Mannes eine Beschämung. Frauen hingegen scheinen sich immer gleich einen Mann angeln zu wollen, zumindest dann, wenn sie die Lebenseinstellung der extra für sie von anderen Frauen geschriebenen Lebenshilfebücher schon verinnerlicht haben.
Wenn man den Büchern glaubt, die es hier zu kaufen gibt, dann wollen Frauen auch immerzu am liebsten abnehmen. Mittlerweile ist bekannt, daß auch viele Männer am liebsten abnehmen möchten, aber die meisten Bücher übers Abnehmen werden von Frauen verfaßt, die jeweils eine eigene Abnehmreligion für sich und ihre Leserschaft entwickeln. < >