Es macht mir keine Angst, dieser Generation einmal die Zukunft in die Hand legen zu müssen. An meiner eigenen Generation scheint diesbezüglich der Kelch ja ohnehin vorbeizugehen. Die Alten klammern sich solange daran fest, bis wir selbst schon zu alt sein werden, um noch irgend einen Einfluß nehmen zu können. Aber die Jüngeren, die nun die Schulen verlassen und so oft vor den Toren einer geschlossenen Gesellschaft stehen, sind ein Grund zur Hoffnung. Sie werden sich vielleicht nicht so blind machen lassen wie viele Vertreter meiner eigenen Generation. Meine Generation hat unzählige Möchtegern-Medienfutzis hervorgebracht, die, wenn sie sich einmal äußern, so relevante Gesellschaftsdiagnosen vom Kaliber „Generation Golf“ oder „Generation Ally“ (-McBeal) hervorbringen. Die sich auf der Jagd nach dem großen Geld von einem unbezahlten Praktikum zum nächsten hangeln und die immer noch glauben, in einer Welt zu leben, in der es wichtig ist, in irgendeiner Form ganz weit vorn dabei zu sein. Dabei schießen wir uns meist auf den Bereich der Trendkulturen ein, auf der Jagd nach dem „next best thing“. Alle von uns potentielle Marketing-Leute, hüllen wir uns schon seit Jahren immer mal wieder in Schwarz-Rot-Gold, weil das immer ein bißchen Medienaufmerksamkeit bringt. Wir verkünden hier mal „Die neue Innerlichkeit“ und da mal „Die neue Härte“. Jeder von uns ein potentieller Trendscout, was viele mit Journalismus verwechseln. Wir machen „Polylux“. Vielleicht ist es gar nicht so verkehrt, wenn der Kelch der Macht an meiner Generation vorbeigeht. Unsere Politik wäre mehr noch als die der aktuell Herrschenden eine einzige Marketing-Kampagne. „Du bist Deutschland“ „Du bist echt okay“ „Ich, Ich, Ich“. Eine Generation, die in großen Teilen danach strebt, jeder für sich allein, selbst einmal zu den Herrenmenschen zu gehören.
Vielleicht werden diejenigen, die derzeit gezwungen sind, in Castings über ihr Glück entscheiden zu lassen, einmal andere Wege gehen. Es ist auch meine Generation, die ihnen entgegenplärrt „Sing und tanze für uns!“ Weil wir es lieben, Animateure zu sein und Erfolgs-Coaches. Aber diejenigen, die nun für uns Männchen machen sollen, sie werden es nicht lieben. Ihre Welt wird eine andere sein. Und das ist eine nicht unbedingt schlechte Perspektive.