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Licht fällt auf Scherben
Eine Meditation
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Es kommt vor, daß Stille den Lärm verdrängt.
Einer Lawine gleich das hilflose Ächzen der Welt, das Rattern und Pumpen der Maschinerie, aus der die Dunkelheit emporsteigt, unter sich begräbt.

Ein einziger Moment vielleicht – ein Augenaufschlag.

Die Stille senkt sich herab in unmittelbarer Folge, vielmehr noch im Moment des Infarkts, des Kollapses.
Die Explosion der Zellen, das Bersten der überspannten Nervenstränge, der in sich zusammensinkende Organismus.

Ein Rückzug der Lebenskraft – manchmal eine Selbstverteidigungsmaßnahme.
Der Geist, das Wollen prescht voran, doch der Körper oder das Gehirn verweigert seinen Dienst, weicht zurück, will sich nicht mehr finden lassen.

Die Stille folgt auf ein Ende im Leben. Sie greift um sich im Augenblick des Endes.
Dem Ende einer Liebe vielleicht, wenn man an sie glaubt.
Dem Ende einer Karriere vielleicht, wenn man auch daran glaubt.
Dem Ende eines unfreiwilligen Kampfes, dessen Realität man kaum bestreiten könnte.

Mancher meint dann, es sei das Leben selbst, das nun sein Ende gefunden habe.
Davon soll der Mensch auch nicht selten überzeugt werden.
Das legen andere dem Menschen gerne nah.

Doch der Mensch ist nicht zwangsläufig tot. Nicht immer.
Manchmal bricht ein Leben weg und der Mensch, der so sehr in diesem Leben verwurzelt schien, steigt empor - um seinen Halt gebracht, befreit.
Der Mangel an Halt, den die neue Welt zum Ideal erklärt ist jedoch keine Errungenschaft
und sicher keine Befreiung.

Befreiung kann nur verwirklicht werden, wenn der Wille zur Befreiung dahinter steht.
Die neue Welt, die ihre Schöpfer verleugnet, will niemanden befreien. Die Qualität des Halts hängt von der Beschaffenheit des Bodens ab.

Das Leben in Unterdrückung hat eine teuflische Eigendynamik – der Mensch kann einfach nicht mehr aufhören damit. Er meint, sein Leben hinge am Leid, das ihm das falsche Leben auferlegt. Oft muss erst ein anderer kommen, der dann das falsche Leben für den Menschen beendet, es ihm entreißt. Wenn einer sagt: Du kannst gehen.
Das kann der Mensch meist nicht mehr glauben, daß er gehen kann – aufrecht zumindest nicht.

Es ist die Freiheit der Gespenster, die die Menschen mit Furcht erfüllt.
Ein Mensch, der die Stille kennt wird immer verbunden sein mit seinem gespenstischen Selbst, das eine Ahnung vom Atmen bekommen durfte, nachdem ein vermeintliches Leben in sich zusammenbrach und vielleicht nur irrtümlich ein schlagendes Herz hinterließ.

Ein Herz, das einen neuen Rhythmus finden muß.
Ein Herz, das alle Chancen hat, sich zu öffnen, sich zu verwandeln.
Ein Mensch tritt aus dem Schatten heraus.

Zuvor noch ein Träger, ein Gefäß sich ausbreitender Dunkelheit. >

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© Andre Seifert, 2006
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