Ihre Ansprache besteht lediglich darin, als Mensch da unten solle man gefälligst mit dem zufrieden sein, was man hat, auch wenn das nichts ist - denn dann ist man ja immerhin noch im schönen Land, das nur so gut sein kann wie man selbst gerade ist, vor seinem kleinen Apparat. Also soll man sich gefälligst anstrengen, wenigstens zeigen, daß man sich weiterhin verbraucht und noch ein bißchen mehr versucht als zuvor, Applaus von Seiten der Herrenmenschen einzuheimsen.
"Schaut her, Ich springe und tanze für euch. Mit meinem angsterstarrten Grinsen und selbst mit verstümmelten Gliedern bin ich trotz aller Widrigkeiten immer noch ein Marathonläufer, der zeigt: es geht voran - und konsumiere darüber hinaus fleißig, ganz so wie meine Herrschaften es von mir haben wollen. Alles wollen sie von mir haben.
Und ich werfe mich der Meute jeden Tag erneut zum Fraß vor, werde ausgespuckt und wiedergekäut. Aber das stört mich nicht, weil man es nun einmal so machen muß."
So wünscht man ihn sich nun, den idealen Menschen. Wer wünscht ihn sich? Nicht die Menschen selbst, jedenfalls die meisten sicher nicht.
Frei fließende Kräfte, Energien, die ihren Ursprung in menschlichen Hirnen beharrlich verleugnen, statt dessen aus einer austauschbaren Ansammlung maskenhafter Gesichter hinaushallen in die Hirne der Angesprochenen, die vor allem zu irgend etwas verpflichtet sind. Diese Kräfte geben vor, die Wahrheit zu sein und das Schicksal, das unentrinnbare.
"Dein Land interessiert sich einen feuchten Kehricht für Dich. Dein Land kannst Du nur sein, wenn Du all den Müll folgsam herunterschluckst, den wir Dir hiermit einflößen - und wenn Du Dich verbesserst, immerfort verbesserst, damit wir Dich noch gebrauchen können, auch wenn Deine Chancen schlecht stehen. Verzage nicht, wir werden schon noch irgendwie das Letzte aus Dir herausholen können, selbst wenn es Deine Seele ist, die Du in der großartigen globalisierten Welt voller Möglichkeiten ohnehin nicht mehr brauchst. Wir fressen sie auf, Deine Seele, denn die ist für Dich doch nur ein Ballast."
Es ist eine Versammlung der Kannibalen, doch sie zeigen mit den Fingern auf andere und rufen ihnen nach "Schmarotzer".
Ich will mich nicht mehr verbessern. Der ständige Prozeß der Verbesserung hat üble Nebenwirkungen mit sich gebracht. Nun bin ich, trotz meiner jahrzehntelangen Bemühungen um Verbesserung meiner selbst, am Ende doch nur eine weitere gespensterhafte Kreatur, wie es schon viele in diesem Land gibt.
Ich benutze die Figur des Gespenstes als Kennzeichnung einer gesellschaftlichen Position, in der das Individuum der ständigen Bedrohung unterliegt, den Status Mensch aberkannt zu bekommen. Es handelt sich jedoch nicht um eine ausschließlich negativ besetzte Figur. So wird zwar den eigentlichen Gespenstern und Geistern - jenen, die uns aus den Volkssagen und dem Spiritismus vertraut sind - im Allgemeinen die Existenz abgesprochen, dennoch verfügen sie zumindest über soviel Macht, sich im kollektiven Bewußtsein - allen Bemühungen der Aufklärung und deren Gefährt, der Wissenschaft, zum Trotz - als mögliche Realität zu behaupten. Manchmal gibt es einen Spuk, was auch immer dahinterstecken mag.
Mit dem gelegentlichen Aufflackern des Unerklärlichen, was ja gern in Verbindung mit Gespenstern sämtlicher Gattungen gebracht wird, haben die Gespenster, ob es sie nun gibt oder nicht, ein machtvolles Instrument zur Hand, die Einordnung ihrer selbst in den Rahmen der entschlüsselten Natur, das Urteil nicht existent zu sein, zu verhindern. Zäh wie sie sind, in ihrer beharrlichen Weigerung, dem Geist der Aufklärung die Welt gänzlich zu überlassen, wären sie ein ideales Vorbild für all jene Menschen, denen nun die globalisierte Ökonomie der Großkonzerne die Existenz streitig machen will. Versteckt sind all jene Menschen, jenseits der Hochglanzkampagnen der medialen Realitätsprojektionen.
Doch manchmal mögen sie sich einen Weg in die Sichtbarkeit bahnen, einem Spuk gleich, der zwar die Welt nicht zu ändern vermag, der aber die unmißverständliche Botschaft in sich trägt, daß dort in diesem Schattenreich des im ökonomischen Sinne wertlosen Daseins tatsächlich Kräfte lauern, Menschen womöglich, die nicht dümmer sind und auch nicht schwächer als jene, die noch einen Platz in der Welt der auf Verwertbarkeit und Effizienz getrimmten Menschenentwürfe haben. Was dann bleibt ist ein kurzer Augenblick, der die Möglichkeit zur Erkenntnis gesellschaftlicher Verantwortung in sich trägt, und die Chance, ein Anstoß zum Überdenken des herrschenden Systems zu sein. < >