Es bedarf Mut, zur Seite zu treten oder gar aufzugeben, selbst wenn man sich nur noch in einem klapprigen Hamsterrad auf der Stelle fortbewegt. Man ahnt, man wird hinausgeschleudert werden aus der Umlaufbahn der Zugehörigkeit. Also bleibt man lieber dabei und sieht sich möglichst teilnahmslos dabei zu, wie man bei halbwegs lebendigem Leibe zerfällt, während man es doch schon längst niemandem mehr recht machen kann, es irgendwann nicht mehr schafft, noch zu gefallen. Nach ein paar Jahren ist man soweit, daß einem die Wohlmeinenden Pillen empfehlen, damit man weiter mithalten kann, damit man keine Störung ihrer schönen Aussicht verursacht mit seinem viel zu sichtbaren Niedergang.
Ein Merkmal der Position des Gespenstes ist die von außen herangetragene Pathologisierung jeder beliebigen Regung. Das gesellschaftliche Umfeld des in seiner Position hinterfragbaren Individuums betrachtet sich als urteilsbefugt, Diagnosen über Wert und Gesundheit betreffenden Individuums zu stellen und aus diesen Diagnosen eigene Handlungsspielräume abzuleiten.
Ein Weilchen später raten die Wohlmeinenden gern zum ausgedehnten Aufenthalt in einer Heilanstalt, zum eigenen Wohl, wie sie sagen. Damit man wiederhergestellt werden kann, damit man selbst für sich sorgen kann und nicht mehr anderen Menschen Kosten verursacht außer sich selbst. Indem man hier lebt, - es genügt tatsächlich, einfach nur zu atmen -, kostet man irgend jemanden Geld. Dieses Bewußtsein wird einem schon früh nahegelegt.
Es wird oft nach einem gefragt, wenn man ein Gespenst ist.
Wohlmeinende erahnen die Auswirkungen ihrer vermeintlich unschuldigen Erkundigungen und weil sie auch einmal etwas bewirken wollen, lösen sie die Reaktion der Scham und Aggression im verbliebenen Umfeld des Objekts immer wieder von neuem aus, bei jeder Gelegenheit.
Man kann beispielsweise ein Gespenst werden, indem man den einzig gültigen Weg des vergesellschafteten Lebens verlässt. Schule, Ausbildung, Beruf - die Abfolge von Stationen zur Erlangung der vollwertigen Mitgliedschaft. Eine tadellose Prüfungsbiografie, nichts weiter darf das Leben sein als eine endlose Abfolge möglichst erfolgreich zu bestehender Prüfungen. Es ist nicht schwer, in die Welt der Gespenster einzutauchen.
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