Wie wunderbar Spiegelungen wirken können zeigt ein aktuelles Beispiel: Ein führender Politiker empfahl einem erwerbslosen Mann, er solle sich erst einmal waschen und rasieren, dann finde er auch einen Job. Der Mann zu dem der Politiker das sagte, wagte es, nicht so folgsam still und eingeschüchtert zu sein, wie es von den Menschen am Rande erwartet wird.
Allein daß man sich in dieser Lebensituation überhaupt noch auf die Straße wagt, kann ja fast schon als rebellischer Akt betrachtet werden.
Durch sein Verhalten lud dieser Mann den Politiker dazu ein, sich ohne jede Notwendigkeit eine gewaltige Blöße zu geben. Der Politiker ergriff die Gelegenheit und entlarvte seine Weltsicht. Das Opfer der Politikerhäme trat in diesem Fall als Spiegel in Erscheinung, in dem sich die Haltung des Politikers offenbarte.
Und auch einige Reaktionen auf diesen Vorfall stellten sich als ebenso erhellend heraus. So meinten etwa einige andere Politiker, ihr Kollege habe ganz recht und auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit fand die Demütigung völlig gerechtfertigt. Und so zeigen die Mächtigen, wie sie wirklich denken. Die Menschen im Land können daraus ihre Schlüße ziehen.
Man muß den Mächtigen die Gelegenheit geben, sich selbst zu entlarven.
Das tun sie natürlich ohnehin schon fleißig in den Talkshows. Die beherrschten Menschen nehmen die dort immer wieder zu bestaunende Verachtung hin, was traurig ist. In den Talkshows wird die Traurigkeit, die die Menschen in die Apathie reißt, ja eigentlich mehr vorangetrieben als irgendwo sonst. Aber die Selbstmitleids-Polizei stürzt sich ja lieber auf jene Menschen, die diese Traurigkeit gepackt hat, statt auf diejenigen, die die Traurigkeit erzeugen. >