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Carly Simon
Into White
Einführung:

Kaum eine andere Sängerin steht so sehr für den Zeitgeist der siebziger Jahre.
Ein paar Jahre lang gab es in Amerika eigentlich keinen größeren weiblichen Star. Außerhalb der Vereinigten Staaten erlangte sie allerdings keinen vergleichbaren Status, was auch daran liegen mag, daß sie nie außerhalb ihres Heimatlandes Konzerte gab. Im gesamten englischsprachigen Raum war sie dennoch auch durchaus populär.

Ihr Status als Ikone der Popkultur in den USA ließe sich nur schwer bestreiten.
Sie galt gleichermaßen als moderne, selbstbestimmt lebende Frau wie auch als großes Sexsymbol.
Kritiker meinten gar, sie habe Sex als Kunstform etabliert, was sich in erster Linie auf Carlys Albumcover bezog, setzen diese Bilder doch in einem für damalige Verhältnisse unüblichem Maße auf sinnliche, erotische Akzente. Sie selbst wollte sich zwar nie als Sexsymbol verstanden wissen, gab aber in Interviews zu, daß es ihr durchaus gefalle, auf andere Menschen sexuell anziehend zu wirken - nicht zuletzt weil sie in jüngeren Jahren unter ihrem ungewöhnlichen Äußeren eher litt. Ihr offensives Auftreten war also Folge eines persönlichen Befreiungsschlages.
Zuweilen schreckte sie auch vor einem recht aggressiven sexuellen Image nicht zurück, das sich am deutlichsten bei ihrem „Playing Possum“-Cover zeigte. Dieses Bild erregte so sehr die Gemüter, daß einige Plattenläden und die Kaufhauskette Sears sich weigerten, das Album zu verkaufen.

Jedoch war sie nie in Gefahr, den Ruf eines ihre Haut zu Markte tragenden Starlets zu erlangen. Dafür war ihre Intelligenz zu offensichtlich und zum anderen galt ihr außergewöhnliches musikalisches Talent als unbestritten, auch wenn sie nie ein Kritikerliebling war.
Nicht wenige Kritiker fühlten sich berufen, die Künstlerin einzig und allein aus dem Grunde zu verteufeln, weil sie einer reichen, intelektuellen Familie entstammte. Ihr Vater war der Mitbegründer des Simon & Schuster-Verlags, was zu den wildesten Spekulationen über Carlys vermeintlich mondänes Leben führte. Dabei starb Carlys Vater als sie gerade erst 15 Jahre alt war und er hinterließ auch kein großes Vermögen, weil er seine Anteile am Verlag längst unter Wert verkauft hatte. Zudem meinten die Eltern, die Kinder müssen eigenständig ihren Weg machen und so schlug sich Carly einige Jahre lang als Sekretärin und Komponistin von Werbe-Jingles durch, nachdem sie bereits als Teenager gemeinsam mit ihrer Schwester Lucy als Folk-Duo unterwegs war. Lucys Eheschließung und ihr Wunsch nach einem Leben abseits des Showbiz führte allerdings zum Ende des Duos.

Erste Versuche in Richtung Solo-Karriere endeten im Zerwürfnis mit ihrem damaligen Manager Albert Grossman, der versprach, Carly groß herauszubringen, wenn sie sich ihm dafür gefällig zeigen würde.
Carly lehnte das Angebot ab, woraufhin Grossman sie öffentlich als privilegiertes Mädchen hinzustellen versuchte, das nie um irgendetwas kämpfen mußte und daher auch keine authentische Musik über wirkliche Probleme weniger privilegierter Menschen machen könne. Viele Jahre später kommentierte Carly Simon diese frühe berufliche Sackgasse mit den Worten, Grossman habe leider nicht den Körper gehabt, für den sich ein Mädchen so leicht hergebe.

1970 wurde dann Jac Holzman, der Gründer von Elektra Records, auf einer Party eines gemeinsamen Bekannten auf Carly, die dort sang, aufmerksam und nahm sie unter Vertrag.
Ihr erstes Album („Carly Simon“) folgte 1971 und darauf befand sich mit der Debüt-Single „That's The Way I've Always Heard It Should Be“ auch gleich ein großer Hit – wahrscheinlich die Hitsingle mit dem längsten Titel der Rock-Geschichte. Ein erstaunlicher Song, der einen eisigen Blick auf die Institution Ehe wirft und musikalisch als sehr langsame Pianoballade angelegt ist, in deren Verlauf allerdings dann noch ein düster schepperndes Schlagzeug hinzukommt, das dem Song eine sehr eigene, faszinierende Note verleiht. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte Carly Simon ihren ganz eigenen Gesangsstil entwickelt, der sowohl in den Höhen als auch und insbesondere in den tieferen Tonlagen zu beeindrucken vermochte. Kraftvoll und dabei sehr natürlich und schnörkellos.

Es gibt ein Lied, das zumindest in der kollektiven Wahrnehmung ihr übriges Schaffen immer überstrahlt oder auch überschattet hat - je nachdem wie man zu jenem Lied und zu ihrem übrigen Schaffen steht. „You're So Vain“ - der Klassiker aus dem Jahr 1972, um den sich noch heute die gleichen Mythen ranken wie vor mittlerweile 35 Jahren. Wem hat sie dieses Lied denn nur gewidmet? Welchem ihrer berühmten Liebhaber ( - darunter so illustre Persönlichkeiten wie Milos Forman, Kris Kristofferson und Cat Stevens - alle übrigens vor ihrer Ehe)? Vielleicht gar ihrem eigenen damaligen Ehemann? Carly weigert sich nach wie vor standhaft, es zu verraten. >

Einführung: I / II / III / IV
Das Album: Into White - I / II
Auch als PDF-Download zu haben.
© Andre Seifert, 2007
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