Besagter Ehemann war der damals nicht minder populäre Sänger und Liedermacher James Taylor. Carly Simon war sozusagen ein Teil des berühmtesten Showbiz-Pärchens der 70er. Im Hinblick auf die öffentliche Wahrnehmung ihrer musikalischen Arbeit war das natürlich eher Fluch als Segen. Man kann auch sagen, daß sie während dieser Ehe dazu neigte, sich freiwillig in den Schatten ihres Mannes zu stellen schließlich war sie schon vor der Ehe ein großer Fan und hielt sein Schaffen offenbar immer für höherwertiger als ihr eigenes. Sie mag eine Zeit lang gewirkt haben wie James Taylors Duett-Partnerin und Background-Sängerin, dabei gab es eigentlich keinen Grund für diese Zurückhaltung. Über ihre Musik mag man geteilter Meinung sein, aber ihre Texte waren immer interessanter, offener, scharfzüngiger als die häufig zwischen humoristisch und entspannt pendelnde Lyrik des Gatten.
Aber für ihr zuweilen schwieriges Temperament war sie ja auch bekannt, beziehungsweise berüchtigt insbesondere ihre panische Angst vor Live-Auftritten bescherte ihr in Business-Kreisen einen etwas heiklen Ruf. So wurde beispielsweise ihr legendärer Auftritt bei Saturday Night Live (1976) vorher aufgezeichnet, was eine absolute Ausnahme war. Auch später war sie meist sehr zurückhaltend, was öffentliche Auftritte betraf. 1980 mußte sie gar ein Konzert in Pittsburgh wegen einer Panik-Attacke vorzeitig beenden. Sie hatte immer schon ein ambivalentes Verhältnis zum Rampenlicht, obwohl ihr Publikum bei ihren seltenen Auftritten immer wieder bezeugen kann, daß sie eine sehr mitreißende, sympathische Performerin ist.
Ihr musikalisches Schaffen war immer von großer stilistischer Bandbreite gekennzeichnet. Von Beginn ihrer Karriere an experimentierte sie mit den unterschiedlichsten Stilen. Bereits in der Zeit ihrer großen Erfolge glich kein Carly Simon-Album dem vorhergehenden oder dem folgenden. Daher waren wohl auch die Verkaufszahlen schon auf dem Höhepunkt ihrer Popularität durchaus schwankend. Ihr zweites Album „Anticipation“ (1971) etwa war ein frühes Meisterwerk, produziert von Paul Samwell-Smith, der zu dieser Zeit bereits den Cat Stevens-Sound mitkreiert hatte. Eine Sammlung eleganter, sparsam instrumentierter Folkpop-Perlen mit teilweise ziemlich galligen Texten.
Im Jahr darauf folgte mit „No Secrets“ (mit dem Megahit „You're So Vain“) die Wandlung zum Rockstar, wobei auch dieses Album wieder von Simons sehr persönlichen Texten und ihren einprägsamen und zugleich raffinierten Melodien lebte. Danach folgte mit „Hotcakes“ ihr fröhlichstes Album, das darauffolgende „Playing Possum“ bestach allerdings in erster Linie durch sein wagemutiges Cover.
Die Zusammenarbeit mit dem Produzenten Richard Perry, der seit „No Secrets“ den Erfolgs-Sound ihrer Platten bestimmte, erwies sich nicht mehr als sonderlich fruchtbar. Viele Jahre später offenbarte Carly Simon in einem Radio-Interview (2002, BBC2), daß Perry sie praktisch gezwungen habe, auf dem „Playing Possum“-Album in einer Tonlage zu singen, die eigentlich zu hoch für sie war. Die hörbare Anstrengung auf der Jagd nach den hohen Tönen sollte dem Album die Note besonderer Nachdrücklichkeit verleihen. Carly selbst mochte das Album nie, wie ohnehin ihr Verhältnis zu Richard Perry immer etwas angespannt zu sein schien, was sie allerdings nicht davon abhielt, wieder einige Jahre nach besagtem Interview erneut mit Perry ins Studio zu gehen, was ihr in kommerzieller Hinsicht ein großes Comeback bescherte (Moonlight Serenade, 2005).
Nach „Possum“ schuf sie mit dem Produzenten Ted Templeman einen wenig beachteten, aber dennoch mehr als überzeugenden Meilenstein ihrer Karriere mit dem Album „Another Passenger“ (1976). Darauf zeigte sich Carly Simon experimentierfreudig wie nie zuvor, arbeitete teilweise mit Dissonanzen und Tempowechseln alles hervorragend arrangiert, elegant und lässig.
1977 sang sie den Bond-Song „Nobody Does It Better“, ein großer Hit in England und Amerika.
Darauf folgte 1978 mit „Boys In The Trees“ wieder ein kommerzielleres Album, das zwar nie eine so hohe Chartposition erreichte wie etwa „No Secrets“, sich aber durch beständige Verkäufe zu ihrem bestverkauften Album der 70er entwickelte. Der Starproduzent Arif Mardin verpasste dem Album einen sehr glatten Sound, der besonders bei den enthaltenen Uptempo-Songs, die zwischen Jazzpop (You Belong To Me) und Disco (Tranquillo) pendeln, und den klassischen Balladen (You're The One) zum Tragen kommt. Das „Boys In The Trees“ dennoch zu einem der stärkeren Alben Simons gehört, liegt vor allem an den mehr folkorientierten Gitarrenstücken des Albums, darunter das grandiose Titelstück aber auch der Hit „You Belong To Me“ ist in seiner Eleganz und rhythmischen Raffinesse durchaus betörend.
Mit „Spy“ (1979), wieder unter der Regie Mardins, verlor sich Carly dann aber etwas zwischen den überproduzierten Disco- und Rock-Klängen. Obwohl das Album mit „We're So Close“ und „Love You By Heart“ zwei grandiose Stücke enthielt, war der wuchtige, helle Sound und die Hinwendung zu Progressive Rock-Strukturen nicht sehr passend für Simons intimere musikalische Sensibilität, zudem ließ das Klangbild die Präsenz und Wärme vermissen, die Mardin bei der Produktion von „Boys In The Trees“ noch zu transportieren verstand. Das Album war in kommerzieller Hinsicht ein Mißerfolg und beendete dann auch ihre Zusammenarbeit mit dem Label Elektra.
1980 tauchte sie wieder auf, diesmal bei Warner Bros., mit dem von Mike Mainieri produzierten New Wave-Experiment „Come Upstairs“, das mit dem Hit „Jesse“ den einzigen eher typischen Carly Simon-Song enthielt, während der Rest, mit Ausnahme des Titelstückes und des eleganten „The Three Of Us In The Dark“, melodisch nicht so ganz überzeugen konnte und sich textlich in fast beklemmender Offenheit hauptsächlich dem schmerzhaften Scheitern der Ehe zwischen Simon und James Taylor widmete.
Mit „Torch“ leitete sie dann 1981 die nicht mehr enden wollende Welle von Standards-Alben etablierter Popkünstler ein. Dabei handelt es sich bei Torch sicher um einen der erfreulicheren Beiträge dieses Genres. Sie zeigte auf diesem Album neue Facetten ihrer Sangeskunst und interpretierte das Genre feinfühliger und dunkler als die meisten Kollegen.
„Hello Big Man“ (1983) war wieder ein großes Popalbum, eines ihrer besten - getragen von einem durchgehenden Reggae-Einfluß, erotisch aufgeladenen Texten und einer erfrischenden Experimentierfreude. Dennoch endete daraufhin die Zusammenarbeit mit Warner Bros. >