Das neue Album der Vega knüpft doch tatsächlich an alte Großtaten an. Nicht dass das jetzt eine Riesenüberraschung wäre, liefert sie doch eigentlich immer gewohnt hohe Qualität. Aber hier gelingt ihr tatsächlich in bisher unerreichtem Maße eine Art Synthese der sehr unterschiedlichen Stile ihrer beiden wohl bedeutendsten und einflußreichsten Werke „Solitude Standing“ und „99.9 F“.
Während das vorletzte „Nine Objects of Desire“ noch sehr nah am Sound von „99.9“ war und sie auf dem folgenden „Songs in Red and Gray“ wieder eine behutsame Rückkehr zu ihren Wurzeln vollzog, so kombiniert sie hier das Beste aus beiden Welten.
Der Opener „Zephyr and I“ gehört zum musikalisch Beschwingtesten und Fröhlichsten, was Suzanne bisher hervorgebracht hat und stellt in sich schon eine Synthese vom jazzigen frühen Sound und der elektronischen Experimentierfreude späterer Tage dar.
Mit „Ludlow Street“ folgt dann gleich ein absoluter Höhepunkt- eine so verträumt schwebende und dabei dennoch außerordentlich kraftvoll treibende Melodie hat sie seit „Solitude Standing“ nicht mehr präsentiert. Der Song kann es locker mit ihrem Hit „Luka“ aufnehmen, sowohl in musikalischer wie auch in textlicher Hinsicht.
Das gesamte Album wirkt schon beim ersten Hören angenehm vertraut. Manches (das lateinamerikanisch groovende „Pornographer's Dream“) hätte man sich auch schon ausgezeichnet auf „9 Objects“ vorstellen können. Anderes (Frank & Ava, Unbound“) knüpft an die rauhere, experimentelle Atmosphäre von 99.9 an.
Dabei ist der Sound insgesamt erfreulich direkt und unveredelt. Während auf „Songs in Red and Gray“ die Geigen und der weite Hall vielleicht doch manchmal etwas Überhand nahmen, so ist Suzannes Stimme hier meist ganz nah am Ohr des Hörers, nicht von Halleffekten verfremdet.
Und auch die Instrumentierung ist wieder deutlich spröder und auch moderner. In Sachen Coolness und Lässigkeit knüpft sie damit an „99.9“ an. Und diesmal hat sie auch die schönen, elegischen Melodien ihrer frühen Jahre nicht vergessen.