Als Judy Collins im Jahr 1961 ihr Debütalbum aufnahm, konnte sie bereits auf eine beachtliche musikalische Laufbahn zurückblicken. Sie hatte zuvor schon beim bedeutenden Newport Folk Festival für Aufsehen gesorgt, wo sie 1959 zum ersten Mal vor einem größeren Publikum auftrat, nachdem sie einige Jahre eher in kleinen Clubs an ihrem eigenen Ausdruck feilte.
Den Karriereweg in einem anderen musikalischen Genre hatte sie zugunsten der Folkmusik längst aufgegeben.
Judy Collins trat schon in ihren frühen Teenagerjahren als klassische Konzertpianistin auf, ihre Zukunft in diesem Bereich schien vielversprechend. Daß diese enorme Leistung nicht unbedingt allein von eigenem Willen getrieben war, das konnte man aus späteren Andeutungen erahnen. Dahinter stand wie so oft ein hoher Erwartungsdruck von familiärer Seite, in diesem Fall besonders von Seiten des Vaters, der selbst ein begabter Musiker und respektierter Hörfunkmoderator war. Das Vorbild des Vaters, der trotz der Einschränkungen aufgrund seiner Blindheit etwas aus seinen Talenten zu machen verstand, es zu bescheidenem Wohlstand und Ansehen brachte, mag für das begabte und dennoch verletzliche Kind manchmal eher ein bedrohlicher Schatten gewesen sein, worauf nicht zuletzt ein früher Suizidversuch hindeutet.
Ihre Rettung kam, als sie die Folkmusik für sich entdeckte. In der akustischen Gitarre fand sie ein Instrument, das sie aus eigenem Enthusiasmus heraus spielerisch erlernen und mit dem sie experimentieren konnte, ohne daß irgend jemand anderes große Erwartungen daran geknüpft hätte. Natürlich hatte die klassische Ausbildung ihre Spuren hinterlassen, was sich zunächst in Judys Vorliebe für elegische Melodien zeigte. >