In den späteren 80er Jahren wandte sich Judy dann allmählich wieder ihren Wurzeln in der Folkmusik zu. Interessanterweise ging es in künstlerischer Hinsicht exakt zu dem Zeitpunkt wieder deutlich aufwärts, als ihr Vertrag mit Elektra Records 1984 auslief.
Nach einigen Alben für diverse kleine Plattenfirmen, die zumeist aus neuen Versionen ihrer alten Hits und Traditionals bestanden, konnte sie 1990 ein Comeback bei einer großen Plattenfirma (Columbia) mit dem weitgehend hervorragenden Album "Fires of Eden" feiern. Vergessen war all der zuckersüße Exzeß der späten 70er und frühen 80er Jahre.
In den folgenden Jahren blieb Judys Schaffen eklektisch wie eh und je: Zwischen Veröffentlichungen mit Wiegenliedern für Babys und immer wieder Sammlungen von Neuaufnahmen ihrer alten Hits reihte sich ab und an ein beachtliches Werk wie "Just like a Woman" ein, ihre 1993 erschienene Hommage an Bob Dylan.
Dieses Album zeigte Judy Collins in Höchstform, so nah am kraftvollen Folkrock ihrer großen Alben wie seit Jahrzehnten nicht mehr, - mit einer Stimme, die all ihre Facetten zu nutzen verstand. Daneben glänzte Judy in den 90ern vor allem als Gastmusikerin: Ihre Beiträge zu Alben von Künstlern wie Peter, Paul & Mary oder auch Carly Simon strahlen weit über das übliche Maß derartiger Kollaborationen hinaus. Insbesondere ihr Beitrag zu Carly Simons "Fisherman Song" (1990, vom Album "Have You Seen Me Lately?") gehört zu den bewegendsten Momenten ihrer Laufbahn, denn dort erlebt die Folksängerin, die sich all die Jahre hinter leichter Unterhaltungsmusik verborgen hielt, eine unerwartete und lang ersehnte Wiederauferstehung. 1997 erschien die Retrospektive "Forever - an Anthology", die auf gelungene Weise das gesamte Spektrum des musikalischen Schaffens von Judy Collins in einen harmonischen Kontext stellte und auch einige vielversprechende neue Kompositionen der Künstlerin präsentierte.
Besondere Erwähnung verdient auch das 2004 erschienene Album "Democracy", das zum Großteil eine Zusammenstellung all ihrer Originalaufnahmen der zahlreichen Leonard Cohen-Songs bietet, die Judy im Laufe ihrer Karriere gesungen hat, das aber auch drei hervorragende neue Aufnahmen enthält. Neben dem schwungvollen, epischen Titelstück sind es vor allem das sinnliche, dunkle "A Thousand Kisses Deep" und das elegische "Night Comes On", die an die besten Darbietungen der großen Jahre anknüpfen. Insbesondere letzteres kann mit einiger Sicherheit zu den herausragendsten Aufnahmen ihrer gesamten Karriere gezählt werden. < >