Mit dem Nachfolgewerk zu ihrem künstlerischen Durchbruch, stand Jennifer vor der Aufgabe, sich vom Werk Cohens zu emanzipieren und dennoch auch möglichst das hohe Niveau des Raincoat-Albums zu halten. Sie stellte sich dieser Herausforderung mit einer schon allein in produktionstechnischer Hinsicht neuen Herangehensweise. Zwar arbeitete sie im wesentlichen wieder mit dem gleichen Team zusammen, aber die Produktion ist wesentlich luftiger und noch klarer angelegt als beim vorausgegangenen Werk, das sich durch eine in räumlicher Hinsicht beeindruckende Live-Atmosphäre auszeichnete. Hier nun ist der Sound über die weitesten Strecken direkter - statt räumlicher Atmosphäre dominiert ein transparentes und vielschichtiges Klangbild, in dem sich die Wärme des Vorgängers mit einer neuen kühleren Leichtigkeit verbindet.
Der erste Song „Rock You Gently“ führt das neue Konzept aufs vortrefflichste ein.
Ein Fenster wird ganz weit geöffnet und ein frischer Wind weht durch den Raum.
Das Spiel fließender und schwebender Klangflächen kommt auch in einigen anderen Songs in unterschiedlichen Variationen zum Einsatz, am eindrucksvollsten vielleicht bei „The Whole Of The Moon“, Jennifers kraftvoller Interpretation des Klassikers der Waterboys.
Andere Songs sind hingegen deutlich minimalistischer angelegt, so etwa das zweite Stück „Somewhere, Somebody“ - ein Dialog mit dem Sänger Max Carl, kein klassisches Duett - nur von sparsamer Percussion-Untermalung begleitet.
Das Album greift zahlreiche musikalische Stilrichtungen auf und bindet sie in einen stimmigen Kontext ein. So steht der kühle, glasklare Jazz-Rock des von Donald Fagen komponierten „Big Noise, New York“ neben einer als Piano- und Streicherballade interpretierten, bewegenden Aufnahme von Todd Rundgrens Liebeslied „Pretending To Care“, ebenso wie neben dem nostalgischen, kammermusikalischen „Lights Of Lousianne“, auf dem Van Dyke Parks erneut mit einer sehr schönen Akkordionbegleitung vertreten ist.
„Way Down Deep“, von Jennifer in Zusammenarbeit mit Leonard Cohen und Amy LaTelevision verfasst, greift wieder die minimalistische Form von „Somewhere, Somebody“ auf, bereichert um eine sehr tiefe Basslinie und die kunstvolle Überlagerung mehrerer Stimmen.
Jennifer Warnes ist hier erstmals auch verstärkt als Komponistin und Texterin vertreten, was dem harmonischen Gesamtbild ebenso zugute kommt, wie es demonstriert, dass Warnes sich als Songwriterin nicht hinter ihren hier versammelten Kollegen zu verstecken braucht.
Ihre selbstverfassten Stücke zählen zu den stärksten des Albums, was in besonderem Maße für ihre beiden ohne fremde Beteiligung geschriebenen Stücke „The Hunter“ und „I Can't Hide“ gilt, die das Album beschließen. Ersteres ist eine verspielte, musikalisch höchst komplexe Angelegenheit, während der letzte Song den Reigen ernsthaft, entspannt und mit einer weiteren gesanglichen Glanzleistung Jennifers vollendet. >
zur Hauptseite