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Jennifer Warnes
The Well
(2001)

„The Well" ist ein weiterer Meilenstein in der Reihe beeindruckender Alben, die mit „Famous Blue Raincoat" 1987 begann. Wie „...Raincoat" und das folgende „The Hunter", setzt auch dieses Album erneut Maßstäbe in musikalischer und technischer Perfektion.

Der Sound ist warm und transparent zugleich, vermittelt eine Live-Atmosphäre, die an das Raincoat-Album erinnert.

Die musikalische Sprache des Albums ist von geschmackvollen Blues-, Country- und Folkakzenten bestimmt, die in intimen, sinnlichen Liedern ihren Ausdruck finden und gleichzeitig einen reizvollen Kontrast zu den kühleren, jazz-orientierten Songs von „The Hunter" bilden.
Lebte „The Hunter“ von seinen komplexen Rhythmen und eleganten Arrangements, so wird hier ein reduzierterer Ansatz verfolgt, fast ausschließlich unter Verwendung akustischer Instrumente.

Die Instrumentierung bleibt stets zurückgenommen und offenbart bei genauem Hinhören doch auch überraschende Vielschichtigkeit. Während akustischer Bass und abwechselnd Gitarre oder Piano die Arrangements über weite Strecken dominieren, fügt sich an einigen Stellen fast unbemerkt ein kleines Streicherensemble in die Klanglandschaften ein und sparsame Percussionakzente sorgen für rhythmische Auflockerung.

Jennifers Eigenkompositionen sind von ebenso hoher Qualität wie die Neuinterpretationen älterer Songs von Tom Waits, Billy Joel und Arlo Guthrie.
Eine beachtliche Leistung ist hierbei, dass Jennifers Version von „Invitation To The Blues" es durchaus mit Waits' Original aufnehmen kann - ein Unterfangen, an dem schon viele Interpreten scheiterten.
Sie fängt die verrauchte Bar-Atmosphäre ein, die Waits' Worten eine so authentische Wirkung verleiht und durch ihre naturgemäß völlig andere Art des Gesangs scheint das Lied eine tiefere Bedeutung zu erlangen, offenbart eine andere Facette der Traurigkeit, die dem Text innewohnt.

Joels „And So It Goes", rhythmisch verfeinert und sparsam instrumentiert, übertrifft dessen Originalversion um Längen und Arlo Guthrie selbst singt sein „Patriot's Dream" hier im Duett mit J. Warnes in einer bewegenden Version, die weniger die kämpferisch-sozialkritische als die traurige Ebene des Textes unterstreicht.

Weitere Höhepunkte des Albums sind das mitreißende Titelstück, das hoffnungsvolle, hymnische „The Nightingale" und das dunkle und rauhe „The Panther".

Jennifers Komposition „Prairie Melancholy“ definiert die essentielle Stimmung des Albums, in der sich die Weite und Ruhe der Steppe wiederspiegelt und in der die titelgebende Quelle in all ihrer Metaphorik als Verheißung über allem schwebt.

Das Album knüpft an die Intensität des Klassikers „Famous Blue Raincoat“ an und lotet gleichzeitig eine neue Dimension der Tiefe und eine neue Einfachheit im musikalischen Kosmos der Künstlerin aus.

I. Einführung / II. Die Anfänge / III. Werdegang / IV. Neue Wege
Die Alben: I. Famous Blue Raincoat / II. The Hunter / III. The Well
Auch als PDF-Download zu haben.
© Andre Seifert, 2006
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